Dr. Georg Ipschers Rolle in Kamerun
Mit 40 Jahren trat Dr. Ipscher in die „Schutztruppe für Kamerun“ ein und baute in seiner Zeit dort (Oktober 1900 bis November 1902) als „Sanitätsoffizier der Schutztruppe“ bzw. als erster „Chefarzt der Schutztruppe“ das Sanitätswesen fürs Militär auf. Am 18. April 1901 wurde er zum Oberstabsarzt befördert.
Obwohl er im Sanitätsbericht ortskundig die Regionen beschreibt, die er bereist haben muss, konnte noch kein Hinweis darauf gefunden werden, dass er an militärischen Expeditionen teilgenommen hat.
Ipschers Spuren in Kamerun sind kaum aufzufinden, obwohl er innerhalb der Schutztruppe eine gehobene Stelle als „Chefarzt der Schutztruppe“ bzw. „Oberstabsarzt“ bekleidete. Seine Meriten verdiente er sich offensichtlich durch seine medizinische Tätigkeit in Bezug auf die wissenschaftliche Betrachtung verschiedener Tropenkrankheiten und durch die Sammlung ethnographischer Gegenstände aus Kamerun.
Es gibt einen Eintrag von ihm im Handbuch zu den Kolonien, in dem das Arbeitsumfeld und Institutionen beschrieben werden. In veröffentlichten Tagebüchern seiner Zeitgenossen wird er nicht erwähnt.
Im Schriftverkehr zwischen ihm und Graf von Linden werden wenige militärische Akteure benannt.
Der “Fall” Ipscher
Im Dorstener Wochenblatt, Volkszeitung für Dorsten und das südl. Münsterland; Nr. 47, Dienstag, den 23. April 1907, 55. Jahrgang, S. 1. findet sich eine Meldung „Beschuldigung gegen Beamte der Kolonialabteilung“: 1. Fall Ipscher: […] Vernichtung und Unterdrückung von Urkunden anläßlich der Entsendung des Stabarztes Ipscher nach Kamerun 1900. […] Zu 1-7. Einschreiten konnte nicht stattfinden, da Beschuldigungen sich nicht ergeben haben“.
Die Meldung zum „Fall Ipscher“ bezieht sich nicht etwa auf ein Fehlverhalten des Stabsarztes, sondern darauf, dass andere ihm etwas unterschlagen hätten. Ipscher war demnach lediglich mit „Gebührnissen zweiter Klasse“ eingestuft und nicht in der ihm zustehenden ersten Klasse, was eine geringere Bezahlung nach sich zog. Um dies zu vertuschen, wurden die Personalakten des Dr. Ipscher von Kolonialbeamten manipuliert. Die Aufarbeitung dieses Falls fand fünf Jahre nach der Rückkehr Ipschers nach Deutschland statt und wurde von vielen Zeitungen, die sich auch mit strafrechtlich relevanten Misshandlungen an „Eingeborenen“ durch Schutztruppenoffiziere beschäftigten, aufgegriffen und öffentlich verhandelt.




