Die Sammlung des Dr. Ipscher
Über den Erwerb der ethnografischen Sammlung des Dr. Ipscher haben wir kaum Kenntnisse. Er war nach den bisherigen Recherchen nicht an Strafexpeditionen beteiligt, dürfte aber das Land bereist haben.
Die Sammlung befindet sich heute im Linden-Museum Stuttgart. Schon während des Aufenthalts in Kamerun gab es einen Briefwechsel mit Graf von Linden, der die Schenkung der Sammlung an den Württembergischen König vorbereitete. Dieser übereignete sie dann dem Linden-Museum. Nach Ipschers Rückkehr im November 1902 wurden die Objekte erst einmal in Wusterhausen ausgestellt. Für die Schenkung nach Stuttgart wurde Dr. Ipscher für eine Ehrung vorgeschlagen.
Dass er diese erhielt, wird indirekt in einem Brief an Graf Linden am 18. Dezember 1903 bestätigt, in dem er sich bedankt: „für die mir zuteil gewordene Ehre, die ich doch nur Ihrer liebenswürdigen Vermittlung verdanke. Kriegerische Lorbeeren in Kamerun zu erwerben, war mir nicht beschieden. Umso mehr freue ich mich, daß wenigstens der ethnologische Teil meiner Tätigkeit sichtbare Anerkennung gefunden hat.“ Vermutlich erhielt er den Württembergischen Friedrichs-Orden.
In seinem Wusterhausener Nachlass finden wir nur solche Objekte, die entweder für das Museum nicht interessant waren oder die einen persönlichen Bezug haben. Gerade die Fotos zeigen, dass Dr. Ipscher auch nach seiner Rückkehr noch an Kamerun interessiert war, da einige Fotos erst nach 1902 entstanden sein können (z.B. das der “Pagode”, die erst 1905 fertig gestellt wurde).
Foto des “Afrikazimmers”
Im November 1902 kehrte er nach Deutschland und nach Wusterhausen zurück.
Überliefert ist, dass er 1902/1903 für eine Ausstellung der Objekte zwei Räume anmietete und gegen Eintritt zeigte. Den Erlös spendete er dem Vaterländischen Frauenverein.
Er hielt auch einen Vortrag zu Kamerun.
Objekte – das Krokodil
Objekte – der “Thron”
Geschnitzter Sitz mit Pythons, Krokodil und Elefant
Der im Wegemuseum befindliche, aus Ipschers Nachlass stammende Hocker mit den zoomorphen Schnitzereien und dem Namenszug „Oberstabsarzt Dr. Ipscher“ wurde höchstwahr-scheinlich in den Werkstätten der Basler Missionsstation hergestellt.
Linden-Museum Stuttgart
Das nach Karl Graf von Linden benannte Museum entstand aus den Sammlungen außereuropäischer Provenienz, die Mitglieder des Württembergischen Vereins für Handels-geographie und Förderung Deutscher Interessen im Ausland e.V. zusammengetragen hatten, bis 1911 das Linden-Museum eröffnet wurde. Graf von Linden war Mäzen und Akquisiteur von Kulturgut anderer Völker, das er für ein deutsches Publikum anschaulich, im Geiste kolonialer Ideen, aber auch der Volksbildung zu präsentieren versuchte. Seine Begeisterung für fremde Lebenswelten übertrug er auf Händler, Missionare, Schutztruppenangehörige und Forscher und überzeugte sie, ihre Sammlungen in „seine“ Institution zu geben. Das Reichskolonialamt hatte festgelegt, dass alle ethnologischen Sammlungen aus den Kolonien zunächst an das Berliner Völkerkundemuseum zu übergeben waren, andere Häuser erhielten nur Dubletten. Durch eine Schenkung an den württembergischen König wurde diese Bestimmung umgangen. Graf von Linden hatte auf diese Weise aus kulturhistorischer Sicht großartige Kunstwerke aus den deutschen Kolonien und auch anderen Ländern nach Stuttgart geholt. Die kritischen Erwerbsumstände wurden damals nicht hinterfragt.
Ipschers Sammlung im Linden-Museum Stuttgart
Eine handgeschriebene Liste mit 103 Einträgen von Dr. Georg Paul Ipscher, die 1902 seine Ethnographica-Sammlung dokumentiert, liegt im Archiv des Linden-Museum Stuttgart.
Zwei Objekte davon gingen im Tausch 1971 an die Johann-Gutenberg-Universitätssammlung in Mainz und sind in der Deutschen Digitalen Bibliothek online zu finden: eine Flasche mit Bastmantel und ein Korb aus Kamerun.
Duala, den 6.6.02
Hochzuverehrender Herr Graf!
In Erwiderung Ihres geschätzten Schreibens vom 25.3.1902 muß ich Ihnen zu meinem Bedauern mitteilen, daß meine Sammlung Ihnen doch wohl in zu rosigen Farben geschildert ist. Namentlich, was die Götzen anbelangt, bin ich jetzt sehr skeptisch geworden. Ich fürchte, sie sind in der Nähe von Duala zum Zweck der Täuschung von findigen Händlern hergestellt worden. Auch was ich sonst besitze, ist nicht viel wert. Die meisten Sachen habe ich schon
nach Hause zu meinen Eltern versandt, die zwar auch in einer Stadt mit a.D. hinter dem Namen wohnen; aber mit dem stolzen, alten Ulm und der schönen blauen Donau kann sich mein Heimatstädtchen in der Mark Brandenburg und sein Flüßchen nicht messen. Ich will Ihnen den Namen nicht vorenthalten, auch auf die Gefahr hin, daß sie ihn zum ersten Mal hören: Wusterhausen a/Dosse. [...]
Meine Familie stammt auch aus Südgermanien – ich wähle absichtlich diesen Ausdruck, weil Süddeutschland mir [ein] zu eng begrenzter geografischer Begriff ist – aus dem Salzburgischen, wo sie als Bauern ihr Feld bestellten. Sie sind von Erzbischof Firmian ihres Glaubens wegen vertrieben und von Friedrich Wilhelm I. um 1733 mit anderen Schicksalsgenossen in Ost-Preußen angesiedelt worden. [...]
Ich komme im November nach Hause.








