Drei Fotos
Ganze drei Fotos des Dr. Ipscher sind uns bekannt – aus seinen späten Lebensjahren in Wusterhausen.
Sein Nachlass kam auf Umwegen ins Museum. Entfernte Verwandte und die Enkelin seines Vermieters übergaben dem Museum Fotos, Dokumente und Gegenstände, die sie beim Aufräumen gefunden hatten. Briefe oder eigene Texte waren nicht dabei.
Leider gab es auch nur eine vage mündliche Überlieferung zu seinem Wirken in Wusterhausen, so dass unsere Informationen aus unterschiedlichsten Quellen zusammengestellt wurden.
Die im Wegemuseum vorhandenen Objekte und Archivalien wurden von Hans Kanow, Inge Jerichow und Bärbel Hartwig übergeben.
Aktiv im Kriegerverein
Aus unterschiedlichen Quellen lässt sich ablesen, dass Dr. Ipscher ein sehr aktives Mitglied verschiedener Kriegervereine war.

Anerkennungsurkunde des Kriegervereins, überreicht 1930Dem Herrn Kameraden Generaloberarzt a.D. Georg Ipscher in Wusterhausen a./Dosse für langjährige verdienstvolle Tätigkeit im Kriegervereinswesen in Anerkennung und Dankbarkeit gewidmet.Berlin, den 30. November 1930Der Vorstand des Preußischen Landes-Kriegerverbandesv. Horn - General der Artillerie a.D., Präsident
6.6.1883 Eintritt in den Kriegerverein für Wusterhausen a.D. und Umgegend. In seinem Testament vererbt Fr. Ipscher alles seiner Schwester Hedwig - einzig dem Wusterhausener Kriegerverein soll sie 100 Mark auszahlen.
Dr. Georg Paul Ipscher - Biografie
Torgau - Regimentsarzt von 1903 bis 1910/11
Im Internet fand sich in einer Auktion eine Postkarte mit dem gleichem Motiv mit der Beschriftung: “Die Torgauer Geharnischten in Parade vor Sr. Hoheit dem Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg gelegentlich der Feier des 10jährigen Bestehens der Abth. Torgau d. deutschen Colonialgesellschaft am 27. Mai 1907”
Deutsche Kolonialgesellschaft (DKG) – eine zivilgesellschaftliche, einflussreiche Gruppierung, die sich für eine expansive Kolonialpolitik des Kaiserreichs einsetzte.
Die bis zu 43.000 Mitglieder kamen meist aus dem gehobenen Mittelstand, es waren aber auch viele Vertreter von Großindustrie und Großbanken darunter. Die DKG gab die “Deutsche Kolonialzeitung” heraus und betrieb weitreichende Propaganda, z.B. mit Vorträgen und Ausstellungen. Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg war von 1895 bis 1920 Präsident der Colonialgesellschaft.
(Quelle: Wikipedia)
Dr Ipscher war bis zu seinem Wegzug 1910 Vorsitzender der Torgauer Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft.
Nachruf in einer Lokalzeitung 1935
(…) In Liebe und Verehrung sah jung und alt zum Generaloberarzt auf, dessen Leben als Deutscher und Soldat nur harte Pflichterfüllung bedeutete und der auch an seinem Lebensabend noch viel, viel mehr war als Arzt allein: ein Helfer in der Not und ein Freund der Armen.
(...)
Führer des Kriegervereins, dem vaterländischen Frauenverein und der Sanitätskolonne stand er als beratender Arzt zur Seite (…) Vorsitzender der Stadtsparkasse, als Mitglied des Magistrats und des Gemeinde Kirchenrates oder als Angehöriger zahlreicher Vereine, wie der Schützengilde, der freiwilligen Feuerwehr usw.
Vollständiger Text des Nachrufs
Generaloberarzt Dr. Ipscher – Wusterhausen
Völlig unerwartet ist am Sonntag morgen Herr Generaloberarzt Dr. Ipscher in die große Armee eingegangen. Der alte Herr war gerade im Begriff, zur Kirche zu gehen, als ihn ein Schlaganfall ereilte und sanft in den Tod nahm. Mit ihm ist einer [der] treuesten und heimatverbundensten Mitmenschen dahingegangen, dessen lauteres Wesen sich in einem langen Leben voll Arbeit, Pflichterfüllung und Ehre, Freunde über Freunde geschaffen hatte und dessen Ruf als Arzt weit über die Grenzen unserer Stadt hinausging.
Dr. Ipscher entstammt einer alten Wusterhausener Familie. Schon sein Vater war hier als Arzt ansässig. Der Verstorbene trat [in] die militärische Arztlaufbahn ein, die ihn u.a. für 3 Jahre nach Kamerun führte. Es zeugt für seine treue Liebe zu seiner Heimatstadt, daß er sich nach seinem Scheiden aus dem Heeresdienst in Wusterhausen niederließ und hier eine Praxis eröffnete. (Anmerkung am Rand: 1922)
Als der Weltkrieg ausbrach eilte er wieder zu den Fahnen, um seine Kraft und seine reichen Erfahrungen in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Bis lange nach dem Kriege sehen wir ihn als Oberarzt und zuletzt als Generaloberarzt in unermüdlichem Einsatz tätig. 1922 kehrte Dr. Ipscher wieder nach Wusterhausen zurück, um seine Praxis zu eröffnen. In Liebe und Verehrung sah jung und alt zum Generaloberarzt auf, dessen Leben als Deutscher und Soldat nur harte Pflichterfüllung bedeutete und der auch an seinem Lebensabend noch viel, viel mehr war als Arzt allein: ein Helfer in der Not und ein Freund der Armen. Da war keiner der Armen und Aermsten, die oft in Not zu ihm kamen, denen er eine Bitte abschlagen konnte und die Fälle sind Legion, daß er in hochherzigem Edelmut hilfsbereit auf die Gebühren verzichtete.
Als glühender Patriot stand der verstorbene Generaloberarzt an führender Stelle in der nationalen Bewegung. Lange Jahre war er Führer des Kriegervereins, dem vaterländischen Frauenverein und der Sanitätskolonne stand er als beratender Arzt zur Seite. Es beweist die große Liebe und Anteilnahme, die der Verstorbene für seine Vaterstadt hegte, daß er an hervorragender Stelle an ihrem Geschick Anteil nahm, sei es als Vorsitzender der Stadtsparkasse, als Mitglied des Magistrats und des Gemeinde Kirchenrates oder als Angehöriger zahlreicher Vereine, wie der Schützengilde, der freiwilligen Feuerwehr usw.
Einer der treuesten und edelsten Bürger der Stadt ist aus unserer Mitte geschieden. Die Liebe und Achtung, die sich der alte Generaloberstabsarzt in seinem langen Leben erworben hat, wird ihn auch über das Grab hinaus für ewig begleiten.





